(Un-)Gewissheit

Ende der 1980er Jahre beschattete die Securitate, der rumänische Geheimdienst, die Eheleute rund um die Uhr. „Vor unserem Haus stand ein Auto, in dem meistens eine Frau saß. Ob bei minus 20 oder plus 40 Grad, sie war da. Ein Kollege, den wir bereits als Spitzel in Verdacht hatten, kam einmal auf mich zu und versuchte mir weiszumachen, das Auto vor unserem Haus habe nichts mit der Securitate zu tun. Er meinte, der Wagen sei vom Rundfunk, was natürlich nicht stimmte. Das war der einzige Moment, in dem mich jemand aus meinem Umfeld davon überzeugen wollte, dass die Securitate mir nichts tun will. Wenn ich darüber nachdenke, bin ich eigentlich froh, dass ich meine Akte* nach 1989 nicht bekommen habe. Wäre sie aufgetaucht und ich hätte darin erfahren, dass mich Freunde verraten haben – es wäre schwerer erträglich gewesen als die Ahnungslosigkeit.“

* Gleich nach der Wende stellte Ana Blandiana bei der zuständigen Behörde einen Antrag auf Akteneinsicht. Man sagte ihr, „den zuständigen Geheimdienstler habe die Revolution derart erschreckt, dass er die Akte vernichtete.“

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