Kommunismus im Keller

Von 1944 bis 1989 hielt der Kommunismus Rumänien fest im Griff. Doch in den Museen spielt die jüngste Vergangenheit kaum eine Rolle. Nur der aufmerksame Besucher wird fündig.

Von Christine Strotmann

 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Die rumänischen Schüler kennen das Ceauşescu-Regime oft nur aus Erzählungen ihrer Eltern. Im Geschichtsunterricht spielt es kaum eine Rolle. Kein Wunder – die meisten Schulbücher behandeln das Thema nur am Rande.

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Medien sind in der Diktatur gleichgeschaltet. Nach 1989 der Bruch: Rumäniens Presse wird frei. Heute taucht Ceauşescu nur noch auf, um Schlagzeilen zu machen. Ein Experteninterview.

Ein schlecht beleuchteter Keller mit zwei Räumen. Einige Wände sind mit alten Zeitungen tapeziert. Umrahmt sind sie von Hammer und Sichel-Emblemen. Eine Wand wie ein Schrein, rot gestrichen, zeigt Bilder aus vergangenen Zeiten. Unter einem Stalin-Gemälde steht eine rot eingefärbte Büste Lenins. An der restlichen Wand: Portraits des ehemaligen Staatspräsidenten und Führers der Rumänischen Kommunistischen Partei, Gheorghe Gheorghiu-Dej. Nur in der Ecke links oben fehlt ein rechteckiges Stück der Wandfarbe: Ein Besucher hat das Bildnis von Nicolae Ceauşescu von der Wand gerissen. Direkt nebenan ist der Zugang zu den Toiletten. Das ist die einzige Dauerausstellung zum Kommunismus in Bukarest.

Sie liegt im Keller des Rumänischen Bauernmuseums. Hier sieht man ansonsten eher Kreuze, Trachten und  Teller mit Bauernmustern. 1944 richteten die Kommunisten im damaligen Bauernmuseum ihr eigenes Museum ein – im Volksmund das Partei-Museum.

In den Wirren der Revolution im Dezember 1989 schloss das Museum wie so viele andere seine Türen, um im Februar 1990 erneut zu öffnen. Die Propaganda-Stücke von Ceauşescu waren in Kisten verpackt, eine neue Zeit angebrochen. Es dauerte schließlich bis 1996, bis man im Museum den Erinnerungswert der ungeliebten Erbstücke entdeckte und daraus eine neue Ausstellung zusammenstellte. Sie zeigt die Unterdrückung der Bauern durch die Kommunisten und ist eben im Keller.

Die Wahl der Räume war dabei beabsichtigt. Der Kommunismus sollte nicht die Landromantik des restlichen Museums  beeinträchtigen. „Außerdem waren die Macher der Ausstellung der Meinung, dass die Vorräume zur Toilette der richtige Ort für den Kommunismus seien“, betont Simina Bădică, die heute als Forschungsassistentin im Bauernmuseum arbeitet.

Wie Simina Bădică die kommunistische Ausstellung bewertet:

Dabei hat nicht einmal das Nationale Rumänische Geschichtsmuseum eine Dauerausstellung zum Kommunismus, der Rumänien von 1944 bis 1989 im Griff hielt. Auch hier verschwanden die Ausstellungsstücke mit der Revolution 1989 in den Tiefen des Museumsmagazins.  Seit 2002 nun wird das Nationale Geschichtsmuseum saniert. Deswegen gibt es dort keine Dauerausstellung zum Kommunismus zu sehen – so die offizielle Lesart.

Neben den Museen in Bukarest gibt es noch die Gedenkstätte Sighet. Seit 1993 wird sie durch die Stiftung Bürgerakademie betrieben. Im ehemaligen Gefängnis für politische Häftlinge, das eine Gedenkstätte für die Opfer der Unterdrückung ist, findet sich inzwischen auch eine umfangreiche Ausstellung zu verschiedenen Themen des Kommunismus. Allerdings ist die Stätte sehr abgelegen, an der Grenze zur Ukraine. Zudem ist sie als Opfergedenkstätte kein Ersatz für eine große museale Ausstellung in der Hauptstadt – so sieht es zumindest Simina Bădică: „Wir brauchen einen viel breiteren Diskurs, aber wir sind noch gar nicht sicher, wie eine Geschichte des Kommunismus in Rumänien erzählt werden kann.“

Die Universitäten lieferten bisher wenig zu: Viele Professoren lehrten schließlich schon vor 1989. Zudem können Historiker erst seit 2006 auf alle Securitate-Akten zugreifen. Langsam setzt sich aber die jüngere Generation durch. Die Politikwissenschaft in Rumänien wurde etwa erst nach der Revolution gegründet und liefert seitdem neue Ansätze und Erkenntnisse.

Simina Bădică wechselte nach ihrem Bachelor-Studium an der Universität Bukarest an die Central European University in Budapest. Dort schreibt sie derzeit ihre Doktorarbeit unter dem Arbeitstitel: „Kommunistische Museen in Rumänien vor und nach 1989“. Sie hofft, dass es bald zu einer nationalen Dauerausstellung in Bukarest kommt. Und hat auch genaue Vorstellungen, wie diese gestaltet werden müsste.

Wie sich Simina Bădică einen neuen Umgang mit dem Kommunismus im Museum wünscht: