Das Team

Susanne Hefekäuser Susanne Hefekäuser
„Ich habe das Gefühl, dass zu viele von den Opfern der Diktatur noch immer schweigen. Es gibt zwar Institutionen, die sich mit der Aufklärung und Aufarbeitung beschäftigen, aber es gibt kaum Möglichkeiten, die Schuldigen auch wirklich zur Rechenschaft zu ziehen.”

25 Jahre alt, studiert Politikwissenschaft in Mainz

Peter H. Jagla Peter H. Jagla
„Die Frage ist: Geht Rumänien überhaupt verantwortungsvoll mit dem Ceauşescu-Erbe um? Infiltrierte Medien, Politiker mit fragwürdiger Vergangenheit und eine wenig interessierte Gesellschaft. Dazu erstaunlich viel Nostalgie in der Bevölkerung – gepaart mit Verdrossenheit, Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise. Organe, wie der IICCMER, wirken wie zahnlose Tiger und die unermüdliche Arbeit von Ana Blandiana scheint – leider – wie vergebene Liebesmüh.”

27 Jahre alt, studierte Journalistik und Kommunikationswissenschaften in Hamburg und Sydney

Teresa Wieland Teresa Wieland
„Erstaunt hat mich, dass sich so viele junge Leute in unserem Alter für die kommunistische Zeit interessieren und darüber forschen. Nur schade, dass viele Ältere diese Zeit wohl am liebsten verdrängen würden.”

26 Jahre alt, studiert Theologie in Freiburg i. Breisgau

Marc Etzold Marc Etzold
„Erst kommt das Fressen, dann die Moral” heißt ein Sprichwort. Rumänien hätte genügend Probleme, die es wert wären, sich zuerst darum zu kümmern. Die Armut in den ländlichen Gebieten gehört gewiss dazu. Doch die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit wird nicht mehr bei Seite geschoben. Mit jedem Jahr kommt mehr ans Licht. Das muss man erstmal schaffen.”

25 Jahre alt, studiert Politik- und Kommunikationswissenschaften in Berlin

Laura Blecken Laura Blecken
„Es ist schreiend ungerecht, dass die Verbrecher von früher heute als steinreiche Männer das Land regieren. Verständlicherweise sind viele Rumänen frustriert und fühlen sich hilflos gegenüber dem Machtmonopol aus Politik, Wirtschaft und Medien. Umso schöner ist es, dass zumindest einige Menschen die Motivation finden, gegen die alten Strukturen anzukämpfen und auf eine bessere Zukunft hoffen.”

22 Jahre alt, studiert Philosophie in Berlin

Dominic René Possoch Dominic René Possoch
„Deutschland hat sich eine ganz eigene Erinnerungskultur erarbeitet und die würden wir Deutschen am liebsten in die ganze Welt exportieren. Kein Wunder, dass wir erst einmal die Nase rümpfen, wenn wir Ländern begegnen, die scheinbar wenig mit ihrer problematischen Vergangenheit anfangen wollen. Dabei übersehen wir aber, dass jedes Land seinen eigenen Weg braucht. Das deutsche Modell der Aufarbeitung hat in Deutschland weitgehend funktioniert, andere Länder jedoch haben völlig andere Ausgangslagen. Überhaupt darf man nicht unterschätzen, wie sehr die kommunistische Ideologie eine Gesellschaft korrumpieren kann, vor allem über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Auch im modernen Rumänien sind die unsichtbaren Kräfte, die versuchen, den Staatsapparat auszuhöhlen, immer noch stark. Augenscheinlich mangelt es nicht unbedingt an politischem Willen. Die gegensätzlichen Parteien beim Tauziehen um die Aufarbeitung sind aber wohl mehr ausgeglichen als wir glauben. Das Ringen entscheidet.”

24 Jahre alt, studiert Geschichtswissenschaft in Eichstätt

Kristina Chmelar Kristina Chmelar
„Muss sich eine Nation nach zig Jahren real existierenden Sozialismus auf die Couch legen? Ja, wahrscheinlich sollten die, die sich ihr zugehörig fühlen, genau das tun. Mit Blick auf eine gemeinsame Gegenwart und Zukunft scheint sich Aufarbeitung im großen Stil zu bewähren. Doch wie weiter, wenn der politische Raum den meisten als diskreditiert gilt? Wenn die Menschen von ihrer Gemeinschaft, aber auch von sich selbst entfremdet scheinen? Schwierig. Der Aufbruch in eine uniforme, ‚globalisierte’ Lebenswelt ist vielleicht nicht die beste Antwort.”

25 Jahre alt, studierte Politikwissenschaft in Erlangen

Friedhelm Weinberg Friedhelm Weinberg
„Unkritisch, kritisch, überkritisch – vielleicht ein gutes Zeichen, dass Rumänien wie jede andere Demokratie mit seiner Vergangenheit umgeht.”

24 Jahre alt, studiert Politikwissenschaft in London und Krakau

Carmen Reichert Carmen Reichert
„Um den Dorn im Auge des Nachbars zu suchen: Leider scheint sich hier nur eine Minderheit mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. So wirken so manche Mythen des Kommunismus noch immer und werden fortgeschrieben.”

26 Jahre alt, studiert Germanistik, Romanistik und Geschichtswissenschaft in München

Evgenij Haperskij, Evgenij Haperskij
„Viele ehemalige kommunistische Kader sind offensichtlich noch immer an der Spitze der Politik und Wirtschaft. Aber Rumänien befasst sich mit der Vergangenheit, und das ernsthaft. Zwei staatliche Institutionen (CNSAS und IICCMER) arbeiten die Verbrechen der Kommunisten auf, dazu kommen viele zivilgesellschaftliche Organisationen. Und viele junge Menschen beginnen, sich für die Vergangenheit zu interessieren. Ich denke, dass Rumänien auf einem guten Weg ist.”

27 Jahre alt, hat Journalistik und Germanistik in Dortmund studiert

Beate Brehm Beate Brehm
„Es ist in erster Linie die junge Generation, die kritisch auf die Geschichte schaut – auch in Rumänien. In Deutschland hat es 23 Jahre gedauert, bis die 68er eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit eingefordert haben. In Rumänien hat dieser Prozess 22 Jahre nach dem Sturz Ceauşescus bereits angefangen.”

26 Jahre alt, hat Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft in Heidelberg studiert

Christine Strotmann Christine Strotmann
„Der Umgang mit der Vergangenheit ist so vielfältig wie die rumänische Gesellschaft. Gerade die junge Generation stellt sich jetzt die Frage, warum die Rumänen Ceaușescu und seinen Kommunismus so lange unterstützt haben. Ihre Formen des Umgangs mit der Vergangenheit sind kreativ und oft auch mutig – Wahrheit kann unbequem sein.”

24 Jahre alt, studiert Geschichtswissenschaft in Berlin

Jana Hauschild Jana Hauschild
„Ab wann ist eine Vergangenheit genügend aufgearbeitet? Kann sie jemals ad acta gelegt werden? Gibt es nicht immer noch mehr, das getan werden könnte? Auch Rumänien hat noch vieles anzupacken, aber ebenso bereits einiges gestemmt.”

24 Jahre alt, studiert Psychologie in Berlin

Nora Marie Zaremba Nora Marie Zaremba
„Aufarbeitung ist mühsam. Viele Rumänen wollen nichts wissen von kommunistischen Altlasten. Sie sind zu beschäftigt mit den Herausforderungen des täglichen Lebens, in einem Land, in dem die Politik nicht wirklich funktioniert und die wirtschaftliche Situation schwierig ist. Das mag ignorant sein, ist aber irgendwie auch verständlich. Umso schöner, dass es trotzdem engagierte und beeindruckende „Aufarbeiter“ gibt.”

24 Jahre alt, studiert Umweltwissenschaften in Bayreuth

Andrey Kolobov, Andrey Kolobov
„Die kommunistische Vergangenheit wird in Rumänien nur dann aus der Mottenkiste herausgeholt, wenn man während der Wahlkampagne ein Schreckensbild braucht. Gerne wird vergessen, dass die meisten heutigen Spitzenpolitiker Mitglieder oder Mitläufer der KPR waren. Eine vollständige oder mindestens einigermaßen ernsthafte Aufarbeitung der Vergangenheit ist auch hierzulande nur auf Druck von außen möglich.”

32 Jahre alt, studierte Protestantische Theologie in Hermannstadt (Rumänien) und arbeitet dort nun für die Allgemeine Deutsche Zeitung

Robert Tari Robert Tari
„Rumänien geht großzügig mit seiner Vergangenheit um. Solange ehemalige Mitglieder der kommunistischen Partei weiterhin wichtige Führungspositionen innerhalb der rumänischen Gesellschaft besetzen, ohne dass die Bevölkerung es verurteilt und nach Gerechtigkeit schreit, kann von einem Fortschritt nicht die Rede sein. Man hat bisher gegen den Rückschritt gekämpft und selbst hier stand man oft auf verlorenem Posten.”

24 Jahre alt, Redakteur der Allgemeinen Deutschen Zeitung in Timişoara (Rumänien)

Marc Röhlig Marc Röhlig
„Rumänien macht es wie viele andere Länder: Erst Relikte abreißen, dann Denkmäler aufbauen. Irgendwo dazwischen geht die Wahrheit verloren.”

25 Jahre alt, studiert Islamwissenschaft in Freiburg im Breisgau und Damaskus

Steffen Leidel Steffen Leidel
„Immer mehr junge Leute in Rumänien erkennen, dass die Zukunft ihres Landes auch davon abhängt, wie es mit seiner Vergangenheit umgeht. Es ist vor allem die Generation, die das Ceauşescu-Regime nicht mehr direkt erlebt hat, die nun am meisten zur Aufarbeitung der Vergangenheit drängt. Erste Schritte sind getan, es ist aber noch ein langer Weg zu gehen.”

39 Jahre alt, freier Journalist und Trainer für Multimedia-Journalismus

Maria Grunwald Maria Grunwald
„Es stimmt: Viele Kader aus kommunistischer Zeit sind heute immer noch präsent – in der rumänischen Wirtschaft, der Justiz, der Politik. Doch es ändert sich was. Es gibt Dissidenten, Historiker, Politologen und Schriftsteller, die Eines gemeinsam haben: Sie reden gern und viel über die Vergangenheit – vielleicht, weil in Rumänien noch Wenige zuhören. Wir haben einige kluge Köpfe in Bukarest getroffen. In ihrem Redebedarf und ihrem Einsatz für Gedenkstätten, Aktenoffenlegung und offiziellen Aufarbeitungsstellen sehe ich die Chance für eine reale Versöhnung.”

34 Jahre alt, Seminarleiterin, freie Journalistin und Medientrainerin