Das Leben des Diktators

Größenwahnsinnig und brutal. Über zwei Jahrzehnte herrscht Nicolae Ceaușescu mit eiserner Faust. 1989 wird das „Genie der Karpaten“, wie er sich gerne nannte, standesrechtlich erschossen. Sein Leben in Bildern.
Von Evgenij Haperskij und Friedhelm Weinberg

Ceaușescu im Alter von 15 Jahren

Kindheit und Jugend: Nicolae Ceaușescu wird am 26. Januar 1918 als Sohn eines einfachen Bauern geboren. Nach der Volksschule in seinem Geburtsort Scornicești zieht er mit elf Jahren nach Bukarest, wo er eine Lehre als Schuhmacher beginnt. 1932 tritt Ceaușescu der Kommunistischen Partei Rumäniens (PCR) bei, die 1933 verboten wird.

Foto: Ceaușescu im Alter von 15 Jahren.

Ceaușescu bei seiner Verhaftung 1936

In der Haft: Ceaușescu setzt sich für die kommunistische Bewegung ein. Bis 1936 wird er drei Mal verhaftet, weil er regierungsfeindliche Flugblätter verteilt. 1936 bekommt er eine zweijährige Haftstrafe. Im Gefängnis trifft er auf Gheorghe Gheorghiu-Dej und andere führende Mitglieder der Kommunistischen Partei.

Foto: Ceaușescu bei seiner Verhaftung 1936.

Elena Ceausescu im Alter von 23 Jahren

Heirat: Nach seiner Entlassung lernt Ceaușescu Elena Petrescu kennen, die sich ebenfalls in der Kommunistischen Partei engagiert. 1947 heiraten sie. Laut Experten soll Elena großen Einfluss auf die Politik ihres Mannes gehabt haben. Obwohl sie nur die Volksschule abgeschlossen hat, wird sie 1979 Vorsitzende der Rumänischen Akademie der Wissenschaften.

Foto: Elena im Alter von 23 Jahren.

Ceaușescu im Oktober 1951

Aufstieg: Nach dem Zweiten Weltkrieg kommen die Kommunisten, unterstützt von der Sowjetunion, an die Macht. Gefördert von Gheorghiu-Dej macht Ceaușescu Karriere. Bereits 1954 wird er Mitglied des elfköpfigen Politbüros, dem engsten Führungszirkel der Partei.

Foto: Ceaușescu im Oktober 1951.

Kongress der Arbeiterpartei, auf dem Ceaușescu gewählt wird

An der Macht: Im März 1965 stirbt Gheorghiu-Dej an Lungenkrebs. Im Politbüro sichert sich Ceaușescu die Nachfolge. Im Juli wird er zum Generalsekretär des Zentralkomitees gewählt.

Foto: Kongress der Arbeiterpartei, auf dem Ceaușescu gewählt wird.

Ceaușescu mit Willy Brandt im Jahr 1973

Sympathieträger: In den 1960er Jahren geht es Rumänien wirtschaftlich gut. Ceaușescu ist beliebt bei seinem Volk. Zur Sowjetunion geht er auf Distanz, ficht ihren Führungsanspruch öffentlich an. Westliche Staaten pflegen gute Beziehungen zu Rumänien. Foto: Ceaușescu mit Willy Brandt im Jahr 1973.

Die Ceaușescus bei einem Propaganda-Auftritt im Jahr 1977

Personenkult: In den 1970er Jahren reist Ceaușescu nach China und Nordkorea und ist begeistert vom dortigen Führerkult. Fortan lässt er sich „Conducător“ (Führer) nennen und beschäftigt Hofdichter, die ihm Beinamen wie „Titan der Titanen“, „glorreiche Eiche“ oder „Sohn der Sonne“ geben.

Foto: Die Ceaușescus bei einem Propaganda-Auftritt im Jahr 1977.

Eine Securitate-Akte

Tyrann: Brutal lässt Ceaușescu jede Opposition unterdrücken. Die Geheimpolizei Securitate spioniert Gegner aus, überwacht die Bevölkerung systematisch und schafft ein Klima der Angst.

Foto: Eine Securitate-Akte.

Die Ceaușescus mit Bäuerinnen im Jahr 1970

Brutale Effizienz: Ceaușescu beschließt, mehr als die Hälfte der rumänischen Dörfer aufzulösen. Die Bewohner sollen in neue, große industrielle Zentren ziehen. Dadurch soll die Wirtschaft gestärkt werden. Die Pläne werden nur teilweise ausgeführt.

Foto: Die Ceaușescus mit Bäuerinnen im Jahr 1970.

Ceaușescu beim Schießsport 1976

Größenwahn: Ceaușescu macht sich 1974 praktisch selbst zum Diktator. Er erschafft für sich das Amt des Präsidenten und macht den gesamten kommunistischen Parteiapparat dadurch überflüssig.

Foto: Ceaușescu beim Schießsport 1976.

Ceaușescu lässt sich die Ernte im Jahr 1986 vorführen

Finanzkrise: In den 1980er Jahren beschließt Ceaușescu, die Staatsschulden abzubauen. Um das zu erreichen, wird im Inland gespart. Elektrischer Strom wird rationalisiert, die Lebensmittelversorgung bricht zusammen. Die Bevölkerung leidet.

Foto: Ceaușescu lässt sich die Ernte im Jahr 1986 vorführen.

Timisoara am 20.12.1989

Aufstand: In der west-rumänischen Stadt Timișoara beginnen am 15. Dezember 1989 Demonstrationen gegen das Ceaușescu-Regime und greifen auf das gesamte Land über. Ceaușescu wähnt sich in Sicherheit und fährt zum Staatsbesuch in den Iran.

Foto: Timisoara am 20.12.1989.

Das gemeinsame Grab der Ceaușescus

Aufstand: Als Ceaușescu aus dem Iran zurückkommt, findet er sein Land in Aufruhr. Nach seiner letzten Rede flieht er vor den Demonstranten, wird gefasst und in einer zweistündigen Gerichtsverhandlung zum Tode verurteilt. Er und seine Ehefrau Elena werden erschossen.

Foto: Das gemeinsame Grab der Ceaușescus.

Verfolgen Sie in unserer Chronologie die Geschichte Rumäniens seit dem Zweiten Weltkrieg bis zur Zeit der Aufarbeitung.