Anatomie einer Akte

Abhörprotokolle, Überwachungsbilder, private Briefe. Mehrere Millionen Personen beschattete der rumänische Geheimdienst Securitate und spionierte sie aus. Ein Blick in die Akten.

Von Teresa Wieland

Das Leben auf Papier gebannt. In 41 Jahren hat die rumänische Geheimpolizei Securitate Informationen von über 1,7 Millionen Personen gesammelt. Sie legte dabei verschiedene Aktenarten an: Einerseits die Personalakten der Inoffiziellen Mitarbeiter und deren Korrespondenz, andererseits die Akten der bespitzelten Personen. Teilweise wurden mehrere Akten für eine Person angelegt. Eines der bekanntesten Opfer ist die Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller, die unter dem Decknamen „Christina“ bei der Securitate geführt wurde.

Erst nach Ende der Diktatur unter Nicolae Ceauşescu wurde der rumänische Geheimdienst aufgelöst. Millionen von Akten gingen an den Nachfolger, den rumänischen Informationsdienst (SRI) über. Als der „Nationale Rat für das Studium der Securitate-Akten“ (CNSAS) geschaffen wurde, übernahm er deren Archivierung. Mittlerweile bewahrt der CNSAS über zwei Millionen Aktenordner auf und geht davon aus, dass noch mehr gefunden werden.

Die folgenden sechs Schriftstücke zum Durchblättern stammen aus verschiedenen Aktenordnern. Sie wurden nicht chronologisch, sondern thematisch geordnet.

Quelle: CNSAS, Flash-Produktion: Marc Röhlig

 

Zum Artikel: “Akten-Einsicht”

Ungefähr 20.000 Rumänen haben schon ihre Securitate-Akte eingesehen. Was sie dort gefunden haben, erzählen sie hier.

 

  • Mehr als zwei Millionen Aktenordner hat die Securitate-Aktenaufbewahrungsbehörde (CNSAS) mittlerweile gesammelt. Die Securitate-Akten nebeneinander gelegt ergeben eine Länge von 27 Kilometer, die Akten der Jahn-Behörde in Deutschland 111 Kilometer.
  • Etwa 20.000 Anträge auf Securitate-Akteneinsicht wurden bisher in den vergangenen fünf Jahren gestellt. In Deutschland wurden in 21 Jahren bisher 2,8 Millionen Anträge auf Stasi-Akteneinsicht gestellt.
  • 20 Arbeitsplätze stehen im CNSAS pro Tag zur Akteneinsicht zur Verfügung.
  • Zehn Bände umfasst die bisher größte Akte des CNSAS (wenn man sie stapelt ist sie ca. 1,20 m hoch). Sie handelt von einem Pfarrer.