Akten-Einsicht

Ungefähr 20.000 Rumänen haben schon ihre Securitate-Akte eingesehen. Was sie dort gefunden haben, erzählen sie hier.

Von Susanne Hefekäuser

Herbert Karl Marschang ist Ingenieur und kam 1970 für einen Auftrag nach München. Nach dem Ende seiner Arbeit dort setzte er sich ab, beantragte die deutsche Staatsbürgerschaft und blieb in Bayern. Doch sogar dahin vefolgte ihn die Securitate:

Maria Stefanescu wurde von der Securitate festgenommen und saß drei Jahre in Haft, weil sie einen Besuch von Freunden aus Ungarn nicht gemeldet hatte. Dem für sie zuständigen Securitate-Offizier schwor sie: „Mit mir werden Sie keine neuen Sterne auf ihrer Schulterklappe gewinnen. Eher werden die, die schon da sind, verschwinden.“ Und auch heute weiß sie sich noch gegen das geschehene Unrecht zur Wehr zu setzen:

Der Journalist und Autor Helmuth Frauendorfer arbeitete als Deutschlehrer und wurde von Timişoara an eine Dorfschule in der Nähe von Bukarest versetzt. Die örtliche Securitate war nicht besonders glücklich darüber, einen aktenkundigen Dissidenten und Intellektuellen, der zudem noch der deutschen Minderheit angehörte, in ihrem Dorf zu haben. Zuerst baten sie ihn, wieder zu gehen, danach beschatteten sie ihn. Doch er schlug sie mit ihren eigenen Waffen:

Die Interviews wurden bereitgestellt vom AIO-CNSAS. Der Nationale Rat zum Studium der Securitate-Akten (CNSAS) ist das rumänische Äquivalent zur deutschen Stasi-Unterlagenbehörde.